Aue-Fans entschuldigen sich für “Holocaust”-Banner – zumindest so halb

Bei einer DFB-Protestaktion haben Aue-Fans tief in den Mistkübel der Geschichte gegriffen. Mit ihrer Entschuldigung machen sie es nicht wirklich besser.

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21 August 2017, 10:41am

Foto: Imago | foto2press

Eins ist nach dem Wochenende klar: Versöhnung zwischen Fans und DFB sieht anders aus. Im Rahmen der szeneübergreifenden Protestaktionen gegen den Verband hatten auch Erzgebirge Aue-Fans sich für das Auswärtsspiel in Braunschweig eine Aktion überlegt. Dabei schreckten sie nicht vor einem geschmacklosen Vergleich zurück: "Sportgerichtsbarkeit = Vereinsholocaust", stand auf einem während des Spiels hochgehaltenen Banner der Fan-Gruppe Fialova Sbor.

Kurzer Reminder: Sportgerichtsbarkeit ist das System, in dem Vorfälle in Stadien oder bei Doping-Vergehen außerhalb normaler deutscher Gerichte verhandelt werden. Oftmals kommt es zu willkürlichen Urteilen. Das System ist definitiv diskussionswürdig. Der Holocaust, das ist die Zeit, in der Deutsche über sechs Millionen Menschen vor allem jüdischen Glaubens auf systematische und bestialische Weise getötet haben.

Dass der Vergleich etwas hinkt, hat schlussendlich sogar die Auer Fan-Gruppe gemerkt. Gebraucht hatte es dafür aber eine Distanzierung "auf das Schärfste" vom eigenen Verein und eine Aufforderung des DFB, sich zu entschuldigen. Übrigens gab es so eine Aufforderung nur gegenüber den Aue-Fans, andere Proteste ließ der DFB weitestgehend unkommentiert.

Was folgte, war eine Entschuldigung von Fialova Sbor in bester Donald-Trump-Manier. Erst entschuldigen, dann ganz schnell relativieren. "Alle diejenigen, welche sagen, es ist hart: Ihr habt Recht. Alle diejenigen, welche sagen, es ist geschmacklos: Ihr habt Recht", beginnt das Schreiben auf der Ultra-Homepage. Kurz vor Ende des Textes wird dann folgender Satz nachgeschoben: "Aber musste die Sprache so hart sein? Leider ja. Es ist pervers, dass es den widerlichsten Wortlaut braucht, um in der Öffentlichkeit eine Diskussion entbrennen zu können." Einsicht sieht anders aus, Verständnis für NS-Verbrechen auch.

Auch eine pro forma nachgeschobene Entschuldigung an alle "Opfer oder Hinterbliebenen" wirkt dann nur noch grotesk. Dennoch starteten sie auch einen Aufruf: "Es war nicht unsere Absicht, erst recht nicht, eure Leidensgeschichte zu verharmlosen. Bitte nutzt das mediale Interesse und holt Leute in die Gedenkstätten. Viele vergessen zu schnell." Das muss für diejenigen, die sich um das Andenken der Nazi-Verbrechen bemühen, wie Hohn klingen. Vor allem nach so einer geschmacklosen Aktion.