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Die Geldstrafen-Tabelle offenbart die gescheiterte Verhandlungstaktik des DFB

Insgesamt 1,7 Millionen Euro mussten deutsche Vereine in der letzten Saison wegen Fanvergehen an den DFB bezahlen. Eine Besserung ist nicht in Sicht, weil der DFB genauso stur ist wie die Fans.

Benedikt Niessen

Benedikt Niessen

Foto: Imago

Abbrennen von Pyrotechnik von 1860-Fans: 15.000 Euro. Zünden mehrerer Rauchtöpfe im Leverkusener Zuschauerblock: 5.000 Euro. Platzsturm von 200 Zuschauern in Cottbus: 2.000 Euro. In der letzten Saison wurden wieder fast alle Vereine der obersten drei Fußballligen in Deutschland wegen des Fehlverhaltens der eigenen Fans zur Kasse gebeten. Insgesamt zahlten die Vereine laut dem Fan-Portal Faszination Fankurve seit dem 1. Juli 2015 zusammen 1.704.150 Euro an Strafzahlungen wegen Fanvergehen.

Der (undankbare) Meister der Geldbußen wurde Borussia Dortmund mit Strafzahlungen in Höhe von 225.000 Euro. Der BVB wurde jedoch nicht nur vom DFB (wie etwa im Pokalfinale) bestraft, sondern auch von der UEFA mit allein 60.000 Euro aufgrund der Vorkommnisse im Europa-League-Spiel gegen PAOK Saloniki. Zudem wurde der Klub zu einem Bundesliga-Heimspiel unter teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit auf Bewährung verdonnert. Eintracht Frankfurt folgt dem BVB auf Platz zwei mit 175.000 Euro. Nach Fan-Fehlverhalten in Bundesliga- und Relegationsspielen bleibt der Stehplatzbereich 40 der Eintracht im nächsten Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Schalke 04 geschlossen. Dahinter folgt auf dem dritten Platz der VfL Wolfsburg mit 102.000 Euro—wovon allein schon 90.000 Euro wegen einer Leuchtrakete beim Derby gegen Hannover kommen.

Nur fünf der 56 Vereine wurden vom Verband nicht bestraft: FC Ingolstadt, RB Leipzig, SV Sandhausen, FSV Frankfurt und Sonnenhof Großaspach. Neben Pyrotechnik mussten die Vereine wegen Platzstürmen wie in Cottbus oder Stuttgart, beleidigenden Transparenten, dem Werfen von Gegenständen oder auch Flitzern zahlen. Der DFB steckt sich das Geld jedoch nicht einfach so in die Tasche: Oftmals werden die Strafgelder dazu genutzt, um im bestraften Verein in sicherheitstechnische, infrastrukturelle und gewaltpräventive Maßnahmen zu investieren. Ein Ende des Strafenwahnsinns ist jedoch nicht in Sicht.

Wie man auf der Website des Deutschen Fußball-Bundes nachlesen kann, ist die häufigste Strafursache nach wie vor das Abbrennen von Pyrotechnik, Rauchtöpfen, Blinkern und anderen Feuerwerkskörpern. Das war in der letzten Saison schon so und forderte insgesamt schon 1.428.700 Euro Bußgelder. Das offenbart die verhärteten Fronten zwischen Fans und DFB. Pyrotechnik gehört für die Ultras fast aller Vereine zur Fankultur dazu. Die Meinungsverschiedenheit über das Abbrennen von Pyro im Stadion zwischen der Ultraszene und DFB entstand, nachdem der Verband Gespräche über eine Legalisierung und sicheres Abbrennen vor ein paar Jahren eingestellt hatte. Neue Verhandlungen über die Legalisierung von Pyrotechnik werden im Keim erstickt, obwohl ähnliche Modelle in anderen Ländern bereits praktiziert werden. Ein Machtkampf, bei dem jede Seite der anderen seine Stärke demonstrieren will.

Nach Gerichtsurteil: Ist Pyrotechnik wirklich kein Verbrechen?

Unter diesem Machtkampf und den daraus resultierenden Geldstrafen leiden meist die Vereine. Der DFB kann die Strafen nur gegen sie aussprechen. Die Täter direkt sanktionieren kann der Verband nicht, da die juristischen Möglichkeiten des DFB auf das Verbandsstrafrecht beschränkt sind. Im Rahmen der Lizenzierung für erste bis dritte Liga gehen die Vereine mit dem DFB einen Vertrag ein. Der verpflichtet sie beim Fehlverhalten von Fans zur Zahlung. Die Vereine versuchen diese Strafzahlungen oft von den Fans zurückzubekommen. Auch deswegen werden immer höher auflösende Kameras in den Stadien installiert und die Vereine reagieren zunehmend strikter gegen die eigenen Anhänger. Der BVB zog etwa Konsequenzen und strich den eigenen Ultragruppierungen die Auswärtsdauerkarten.

Faninitiativen kritisieren, dass das Sportgericht den Veranstalter in der Regel in Mithaftung nimmt, wohingegen bei DFB-Veranstaltungen wie dem Pokalfinale darauf verzichtet wird. Ein weiterer Streitpunkt der DFB-Strafen ist der fehlende Maßstab. Was macht eine Pyrofackel teurer als einen Rauchtopf oder Flitzer? Richtern, Klubs und Fans fehlt ein einheitlicher Strafenkatalog als Orientierung. In der nächsten Saison wird das Spiel der beiden Sturköpfe wohl leider munter weiter gehen: Die meisten Ultras werden nicht auf Pyrotechnik verzichten und der DFB wird sich nicht mit ihnen an einen Tisch setzen, sondern die Strafen weiter erhöhen.

Folgt Benedikt bei Twitter: @BeneNie

Hier die ganze Tabelle aller Strafen:

Verein

Strafe

Borussia Dortmund

225.000 €

Eintracht Frankfurt

175.000 €

VfL Wolfsburg

102.000 €

1. FC Nürnberg

91.000 €

Hamburger SV

74.000 €

1. FC Magdeburg

72.000 €

TSV 1860 München

66.000 €

FC Bayern München

60.000 €

1. FC Kaiserslautern

55.000 €

Fortuna Düsseldorf

55.000 €

Dynamo Dresden

50.500 €

Eintracht Braunschweig

49.000 €

Hansa Rostock

46.000 €

Werder Bremen

45.500 €

FC Schalke 04

45.000 €

Karlsruher SC

44.000 €

SpVgg Greuther Fürth

36.000 €

MSV Duisburg

32.500 €

VfL Bochum

30.000 €

Hallescher FC

27.000 €

SV Darmstadt 98

24.000 €

Erzgebirge Aue

23.500 €

1. FC Köln

22.000 €

1. FSV Mainz 05

21.500 €

Hertha BSC

20.000 €

Energie Cottbus

18.750 €

FC St. Pauli

18.000 €

VfB Stuttgart

18.000 €

Arminia Bielefeld

15.000 €

Bayer Leverkusen

15.000 €

Chemnitzer FC

14.500 €

Borussia Mönchengladbach

14.000 €

1. FC Union Berlin

13.500 €

Rot-Weiß Erfurt

10.000 €

SC Freiburg

10.000 €

FC Augsburg

9.000 €

Stuttgarter Kickers

9.000 €

VfL Osnabrück

8.500 €

Hannover 96

8.000 €

TSG Hoffenheim

8.000 €

SC Paderborn

5.000 €

Würzburger Kickers

5.000 €

Holstein Kiel

4.900 €

Preußen Münster

4.500 €

Wehen Wiesbaden

1.500 €

1. FC Heidenheim

1.000 €

Fortuna Köln

750 €

VfR Aalen

750 €

Quellen: DFB.de, faszination-fankurve.de, welt.de