Jetzt will auch die Bundes-FDP Pyrotechnik legalisieren

Der Bundesvorstand der FPD entschied nun: „Pyrotechnik ist kein Verbrechen". Auch die anderen Eckpunkte ihres Sport-Programms zeigen, dass die Partei künftig in Fußballstadien auf Stimmenfang geht.

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Nov. 15 2016, 11:10am

Foto: Imago

„Pyrotechnik ist kein Verbrechen" hallt meist nur aus Kehlen einiger Ultras durch ein Fußballstadion. Politiker nutzen die brennenden Fackeln in der Regel nur, um sie mit Gewalt oder Krawalle gleichzusetzen und damit auf Stimmenfang zu gehen. Die FPD versucht das Prinzip nun andersherum und will wesentlich liberaler mit Pyrotechnik umgehen: Der Bundesvorstand der Partei sprach sich am Montag in Berlin ganz offiziell für die Legalisierung von Pyrotechnik in Fußballstadien aus. Damit stimmten sie dem Antrag der eigenen Jugendorganisation „Junge Liberale Niedersachsen" zu.

„Der Einsatz pyrotechnischer Mittel ist ein Bestandteil der Fankultur", erklärte der Landesvorsitzende der Jungen Liberalen, Lars Alt, der schon im letzten Jahr mit seiner „Pyrotechnik ist kein Verbrechen"-Kampagne für Aufsehen sorgte. Die Partei will den sogenannten „Chemnitzer Weg" als Modellprojekt unterstützen, das im Jahr 2010 vom Fanprojekt Chemnitz vorgestellt wurde. „Eine Legalisierung soll nur mit zuvor angemeldeten Rauchfackeln in einem abgegrenzten Stadionbereich umgesetzt werden. Explizit ausgenommen hiervon sind alle Feuerwerkskörper, Böller und nicht-löschbare Pyrotechnik, die unter das Sprengstoffgesetz fallen."

Der Vorsitzende der FDP-Jugendorganisation erhofft sich durch die Legalisierung mehr Dialogbereitschaft im Konflikt um das „wachsende" Gewaltproblem bei Sportveranstaltungen. „Für uns sind präventive Maßnahmen sinnvoller als Bestrafung", heißt es in der Pressemitteilung der FDP, die vor allem Länder und Kommunen in die Pflicht nimmt. „Im Dialog mit Vereinen, Polizei und Fanclubs muss es gelingen, die Sicherheit der Stadionbesucher sicherzustellen bei gleichzeitiger Beachtung der Bürgerrechte. Fußballfans sind keine Verbrecher—auch für sie gelten Rechte und Gesetze."

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Die sportpolitischen Eckpunkte im FDP-Programm „Sport zwischen Sicherheit und Bürgerrechten" scheinen vor allem bei Fußballfans auf Stimmenfang gehen zu wollen: Neben dem Pyro-Plan lehnen sie unter anderem die Beteiligung der Sportvereine an den Kosten der Polizeieinsätze ab und forderten höhere rechtliche Hürden bei der Speicherung von Daten bei Ermittlungsverfahren und der Aufnahme in eine Gewalttäterdatei. Fußball und seine Fans sind spätestens jetzt auch im Wahlkampf angekommen.