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Sehbefehl: Wenn Menschen zum ersten Mal vom Zehner springen

Zwei Regisseure haben einen großartigen Kurzfilm gedreht. Die Idee ist einfach: Menschen springen zum ersten Mal vom Zehner und lassen sich dabei filmen. Der Film ist spannender als jeder Sonntags-Krimi.

Lukas Krombholz

Screenshot

In unserem Sehbefehl legen wir euch ganz sachte ans Herz, euch filmische Meisterwerke anzuschauen. Egal, ob Doku, Kurzfilm oder Blockbuster—wir erklären euch, warum ihr diese Streifen sehen müsst.

Um ehrlich zu sein: Ich habe gerade Magenkrämpfe bekommen. Vor Anspannung. In diesem 15-Minuten-Kurzfilm steckt mehr Spannung, als jeder Sonntagabend-Krimi dir in der sechsfachen Zeit bieten kann.

„Ten Meter Tower" ist ein Projekt der Filmemacher Maximilien Van Aertryck und Axel Danielson. Das Setting ist dabei denkbar einfach. Ein 10-Meter-Sprungturm und dort oben unterschiedlichste Menschen. Einzige Bedingung: Sie sind da noch nie runtergesprungen. Sie alle stecken in einem Dilemma. Sollen sie den Schritt ins Ungewisse, den Sprung ins Nichts wagen? Oder doch in aller Öffentlichkeit ihre vermeintliche Schwäche zugeben und die Leiter wieder hinabklettern.

Dieser Film ist herausragend, weil er Menschen in einer intimen und verletzlichen Situation zeigt. Mit Pokerface ist da nicht mehr viel: Das kleine Mädchen, die zwei coolen Jungs, das Pärchen, die Oma. Sie alle kämpfen mit ihrer Angst, mit ihrer Unsicherheit und ihren Zweifeln. Und jeder von uns entdeckt sich in ihren Emotionen wieder. Das gespielte Lachen, das Springen wollen aber in letzter Sekunde doch abbrechen. Alle die da oben stehen, das sind Du und Ich.

Dass die beiden Regisseure mit ihrem Projekt einen Nerv getroffen haben, zeigt die lange Liste an Film-Festivals auf denen ihr Streifen lief. 43 waren es, um genau zu sein. Darunter auch die das renommierte Sundance, oder die Berlinale. 9-fach wurde „Ten Meter Tower" dabei ausgezeichnet. Auch wenn der VICE-Sports-Sehbefehl der unbedeutendste Preis ist und dich vielleicht am wenigsten überzeugt. Schau dir bitte diesen Film an. Selbst auf die Gefahr hin, dass du danach Magenkrämpfe und nervöse Zuckungen in deinen Beinen hast.

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