Wie illegale Hundekämpfe bis heute in unserer Nachbarschaft stattfinden

Über die Schattenwelt der Hundekämpfe ist nicht viel bekannt. Doch es gibt sie, auch in Deutschland. Eine Expertin offenbart VICE Sports, warum die Welpen von Hunden mit gebrochenen Beinen so wertvoll sind.

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Dez. 2 2016, 11:00am

Foto: Imago

Die meisten Sportarten sind wunderbar, andere ein wenig verrückt und einige extrem hässlich. Aber Hundekämpfe sind vielleicht die übelsten aller Sportarten. In diesem von Menschen ausgedachten Sports werden zwei hochgezüchtete Kampfhunde aufeinander losgelassen, in der Regel bis einer der beiden schwer verletzt wird oder stirbt.

Über die verborgene Welt der Hundekämpfe nicht viel bekannt, doch sie geht oft mit Frauen und Drogen einher. Viele Kriminelle nutzen die aggressiven Hunde als ein Statussymbol oder eine Waffe, aber diese Art von Hunden lassen sich auch zum Spielen oder den Handel verwenden—wenn sie kämpfen können. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der niederländischen Polizei-Akademie („School voor Hogere Politiekunde") zeigt nun auch, dass Hundekämpfe oft ein Symptom eines größeren kriminellen Kreis sind.

Viele Menschen wissen nicht, dass es Hundekämpfe in vielen europäischen Ländern und auch in Deutschland gibt. Über die Kämpfe und deren Austragungsorte ist oftmals wenig bekannt, doch es kommt immer wieder vor, dass enthauptete Tiere aufgefunden oder Kampfarenen hochgenommen werden. Im Keller eines Wohnhauses im badischen Ettenheim stellte die Polizei im Jahr 2012 einen hergerichteten Kampfplatz und elf Pitbull-Terrier fest, die dort trainiert wurden. Im Jahr darauf wurden bei einer Hausdurchsuchung in Bayreuth sieben Kampfhunde und Videos von Hundekämpfen bei der rockerähnlichen Gruppe Black Jackets gefunden.

Karen Soeters hilft als Herausgeber des niederländischen Tier-Portals PiepVandaag.nl und Gründerin von House of Animals in der Erforschung über Hundekämpfe. VICE Sports sprach mit ihr über den harten Kampf gegen sie.

VICE Sports: Wie begann Ihre Forschung zum Thema Hundekämpfen?
Karen Soeters: Vor einigen Jahren fand die Tierambulanz einen toten Hund auf der Autobahn mit schweren Bisswunden. Sein Chip wurde herausgeschnitten. Es gab eine kleine Meldung über den Fund in der Zeitung. 'Das ist verrückt', dachte ich mir. Dann kontaktierte ich Tierambulanz. Sie hatten den Hund in einen Gefrierschrank gelegt, in der Hoffnung, dass es jemals eine Untersuchung des Vorfalls geben würde—aber dazu kam es nicht. Es gab also keine Antwort auf das, was diesem Tier zugestoßen war.

Warum nicht?
Weil Hundekämpfe so tief im Verborgenen stattfinden, wurde sehr lange gedacht, dass wir diese in den Niederlanden überhaupt nicht haben. Daher werden alle Signale im Wesentlichen ignoriert. Nach diesem Vorfall habe ich mit Nachforschungen begonnen, aber es sind zunächst keine konkreten Informationen aufgetaucht. Ich habe dann einen Aufruf via Facebook gestartet und auf unserer Website um Informationen über Hundekämpfe gebeten. Daraufhin habe ich eine Menge von Antworten bekommen. Das war sehr interessant, weil ich plötzlich in eine ganze Schattenwelt eingedrungen bin. Menschen, die bescheid wissen, was los ist, haben oft Angst vor Repressalien und wagen es deshalb nicht darüber zu reden.

Karen Soeters (Foto: Privat)

Was für Erkenntnisse hatten Sie nach Ihrem Aufruf?
Zum Beispiel Menschen, die sagen, dass sie jeden Donnerstag Hunde schreien und knurren hören und nicht wissen, was es ist. Oder Menschen, die einen Nachbarn mit einer Menge von Pitbulls haben, die jedoch gelegentlich verschwinden. Also irgendetwas stimmt da doch nicht. Oder Geschichten über Hunde in der Nachbarschaft, die regelmäßig Bisswunden haben. Wenn man keine Kontakte hat, dann kommt man dort nicht weiter. Es ist eine illegale Welt in der Geld verdient wird—Es ist ganz logisch, dass Menschen, die dort noch aktiv sind, versuchen diese Welt versteckt zu halten.

Wie kann man Geld mit Hundekämpfen machen?
Sie verdienen vor allem mit dem Glücksspiel und den Wetten auf die Kämpfe sowie der Zucht von Hunden Geld. Du kannst überall Zwinger finden, wo man darauf stolz ist, wie „gamed" die Hunde sind. Game bedeutet dabei, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass er nochmal zubeißt und gewinnt, wenn seine Beine bereits gebrochen sind. Guck, die Idee ist, dass du einen Hund bekommst, der game ist und der auch gut kämpfen kann. Dann kannst du zum einen mit dem Hund angeben, aber zum anderen steigt damit auch der Preis der Welpen. Diese Veranlagungen stecken ja auch in den Blutlinien.

An welchen Orten finden diese Kämpfe statt?
Es wurde immer gesagt, dass es in den Garagen in der Nachbarschaft passiert. Ich weiß nicht, ob das immer noch so ist. Aber ich weiß, dass viele andere Orte im Freien eingesetzt werden. Ich bekomme Benachrichtigungen über Kampfplätze in abgelegenen Höfen, in Dünen am Meer oder in Parks, wo es nicht zu auffällig ist. Die Kämpfe können eigentlich überall stattfinden. In jedem Fall ist es in der Regel ein Ort, wo es die Menschen nicht stört, was sie hören oder sehen.

Was passiert nach einem Kampf mit den Hunden?
Einige sterben. Andere erholen sich oder müssen zum Tierarzt gebracht werden. Aber man kann sich vorstellen, dass ein Verbrecher nicht dazu bereit ist, seinen Hund jede Woche zum Tierarzt zu bringen. Tierärzte tragen daher eine sehr wichtige Rolle. Sie sollten diese Geschichten schnell erkennen—weil es sehr oft vorkommt, dass Tiere in einer Familie missbraucht werden. Glücklicherweise werden immer mehr Tierärzte besser ausgebildete, damit sie Tiermissbrauch erkennen können.

Ein toter Hund wurde nach einem Kampf „weggeworfen". (Foto der Tierambulanz)

Ist es richtig, dass besonders Pitbulls und Staffords als Kampfhunde beliebt sind?
Wenn es um Hundekämpfe geht, reden die Menschen immer über Kampfhunde. Das muss aber nicht sein. Ich hasse den Begriff „Kampfhunde". Die niederländische RAD (Anm.d.Red.: „Regelung für aggressive Tiere") gab zwischen 1993 und 2008 vor, dass das Halten von Pitbulls illegal ist. Hunde wurden von den Straßen genommen und eingeschläfert, schrecklich. Es ist nicht so, dass die Hunde von selbst beißen, sie wurden da auch von ihren Herrchen ermutigt. In Amerika versuchen sie jetzt mit einem atemberaubenden Fotoshooting das Bild dieser Hunde zu ändern. Ich denke, das ist wirklich gut.

Sie haben erwähnt, dass es eine Reihe von Signalen gibt, die auf Hundekämpfe hindeuten. Gibt es auch subtilere Hinweise als verwundete Tiere?
Signale, die Sie ebenfalls erkennen können, sind zum Beispiel Spuren von Trainingseinheiten. Zum Beispiel, markiert der Bissabdruck auf Bäumen oder Geräten auf öffentlichen Spielplätzen. Auch beim Kauf, Verkauf oder der Verabreichung von Medikamenten, Steroiden oder Nahrungsmittelergänzungen zur schnelleren Heilung von Wunden oder dem flotteren Aufbau von Muskeln.