Marion Rhéaume ist eine Inspiration für Eishockey-Spielerinnen

Marion Rhéaume hat Grenzen aufgebrochen, als sie als erste Frau in einem Vorbereitungsspiel der NHL gespielt hat. Sie wünscht sich immer noch, dass anerkannt wird, wie gut sie in den Trainingscamps mit den Lightning gespielt hat.

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Juni 23 2015, 8:42am

Photo by Tom Seaton-The Associated Press

Manon Rhéaumes Platz in der Geschichte als erste und einzige Frau, die in einem NHL-Spiel mitgewirkt hat, wird für immer bestehen bleiben. Trotzdem findet sie, dass die Leute nie in angemessener Weise über das Trainingscamp gesprochen haben, das sie mit den Tampa Bay Lightning absolviert hat.

Rhéaume hat die Grenzen für weibliche Eishockeyspielerinnen aufgebrochen und genau das kann man als ihr Erbe bezeichnen. Im Alter von 20 Jahren ist sie, begleitet von etlichen Zweiflern, nach Tampa Bay gegangen, um dort an dem ersten Trainingscamp der damals neu gegründeten Lightning teilzunehmen. Mehr als 20 Jahre später ist ein Film über sie in Arbeit und ihr Erfolg während diesen denkwürdigen Wochen des Jahres 1992 für viele noch immer unvergessen.

Keiner war härter im Nehmen als der erste schwarze US-Amerikaner in der NHL

„Als (Lightning-Trainer Terry Crisp) herausfand, dass ich ins Trainingscamp komme, war er zunächst nicht wirklich begeistert. Er sagte zu Phil Esposito (dem damaligen General Manager des Teams): ‚Das ist schwer genug. Wir haben ein ganz neues Team, wir versuchen hier Eishockey aufzubauen' und er hat zugegeben, anfangs nicht unterstützend gewesen zu sein", sagt Rhéaume gegenüber VICE.

„Aber er hat auch etwas anderes gesagt und das ist etwas, über das viele Leute nicht gesprochen haben: Als wir das Camp gemacht haben, wurden wir in vier Teams aufgeteilt und haben ein paar schnelle Turniere gespielt, um die Mannschaft zu finden. Und ich hatte den drittbesten Schnitt an Gegentoren und gehaltenen Schüssen in dem Turnier. Und das ist, was er erwähnt hat. Er sagte: ‚Da spricht nie jemand drüber' und ich dachte: ‚Danke!' Darüber spricht nie jemand, aber das ist alles, an das ich gedacht habe, an meine Leistung im Trainingscamp. Ich habe gut gespielt während des Trainingscamps. Ob es hilft oder nicht, aber es ist immer noch eine große Sache, über die niemand spricht."

Die Leute werden bald wieder über Rhéaume sprechen, denn gerade ist Between The Pipes, ein Film, der auf ihrem Buch Manon: Alone In Front of the Net basiert, in Arbeit. Der Film wird Rhéaumes Geschichte von ihrer Jugend bis zu ihrer Zeit in Tampa Bay erzählen.

Aber Rhéaumes Erbe als Eishockeyspielerin beinhaltet noch mehr als ein Trainingscamp vor über 20 Jahren. Sie hat zwei Goldmedaillen bei den Eishockeyweltmeisterschaften der Frauen 1992 und 1994 gewonnen und eine Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1998. Als Eishockey zum ersten Mal Teil der Olympischen Winterspiele war, stand Rhéaume passenderweise auf dem Eis.

Rhéaumes Karriere war aber nicht nur glamourös. Sie ist zwischen kleineren Profiligen wie der ECHL, der IHL und der WCHL hin und her gewechselt und hat dabei für Teams gespielt (Männerteams wohlgemerkt), die selbst die eingefleischtesten Eishockey-Historiker nur schwer kennen dürften, von den Knoxville Cherokees bis zu den Reno Renegades. Bei den Renegades hatte sie in ihren elf Spielen einen Gegentorschnitt von 5,65.

Zu dieser Zeit hat Rhéaume vielleicht nicht verstanden, wie sehr sie das Spiel verändert hat.

„Wenn ich auf meine Erfahrungen zurückblicke und meine Spiele, dann war mir nicht immer klar, welchen Einfluss ich auf Leute hatte und dass ich einen positiven Einfluss auf einige Leute hatte", erinnert sie sich. „Das kam erst später im Leben, als Leute zu mir kamen und sagten: ‚Meine Tochter will so sein wie du. Du bist so eine Inspiration'. Da wurde mir klar, dass ich Leute inspiriert habe und das ist wahrscheinlich das Befriedigendste, was ich gemacht habe, zu wissen, dass meine Geschichte anderen Leuten geholfen hat."

Rhéaume ist in Michigan immer noch im Bereich des Mädcheneishockeys aktiv und trainiert ein Auswahlteam, das regelmäßig für Turniere nach Europa reist. Sie hat den Aufstieg von Fraueneishockey aus erster Hand miterlebt.

„Mädchen werden besser. Es kommt, ich wünschte, wir wären schon weiter, aber sie kommen jedes Jahr näher heran", sagt sie.

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Zuerst war Rhéaume verwundert, als die New Yorker Schauspielerin und Autorin Angie Bullaro mit der Film-Idee an sie herangetreten ist, aber es dauerte nicht lange, bis sich dieses Gefühl legte. Ein Besuch von Bullaro bei Rhéaume zu Hause in Michigan hat ihr geholfen, zu verstehen, dass der Film einen weitreichenden Einfluss haben kann.

„Als sie gesagt hat, dass sie Leute inspirieren will, hat mich das sofort überzeugt", sagt Rhéaume.

Zunächst musste Bullaro sich jedoch warm anziehen und in einem Eishockey-Tor zurecht finden, damit sie Rhéaume präzise darstellen können würde. Rhéaume hatte die Aufgabe, sie damit vertraut zu machen—und das war nicht einfach.

„Bevor wir uns das erste Mal zum Torwarttraining getroffen haben, hat sie mir geschrieben und gefragt: ‚Soll ich ein Sweatshirt mitbringen, um es über meinen Sachen zu tragen?'", erinnert sich Rhéaume.

„Und ich dachte mir nur: ‚Oh mein Gott, das wird furchtbar.'"

Letztendlich hatte Bullaro den Dreh raus und hat in New York City weiter Torwartstunden genommen. 2017 soll der Film erscheinen. Ihre Entschlossenheit, die Position zu erlernen, hat Rhéaume bis jetzt beeindruckt.

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Rhéaume gibt zu, dass ihr Vorspielen bei den Lightning als ein Publicity-Gag verspottet wurde, aber trotzdem hatte sie es nicht leicht. Sie musste die Erste und die Letzte auf dem Eis sein, um mit dem Team mithalten zu können, aber ihr Streben danach, ihren Weg weiterzugehen, war tief in ihr verankert und sie war durch die Vergangenheit abgehärtet.

Die Trainer haben ihre Fähigkeiten schon zu Beginn ihrer Karriere in jungen Jahren erkannt, haben aber trotzdem ihre Eltern gebeten, sie nicht ins Trainingscamp zu schicken. Ihre Eltern haben das vor ihr geheim gehalten, damit Rhéaume sich weiter den Widrigkeiten stellen und als stärkere Person daraus hervorgehen konnte.

„Als ich nach Tampa Bay eingeladen wurde, habe ich gesagt: ‚Mir ist egal, warum sie mich eingeladen haben. Ich mache das.' Denn am Ende des Tages muss ich mich immer noch beweisen", sagt Rhéaume.

„Es ist eine Sache, eingeladen zu werden, aber du musst auch immer noch da raus gehen und dich jeden Tag diesen Schüssen stellen. Ich wusste, dass es egal war, warum. Ich wollte es nicht mein Leben lang bereuen. Ich musste es machen."

Und sie war gut dabei. Und noch wichtiger: Sie ist bis heute eine Inspiration für Eishockeyspielerinnen auf der ganzen Welt.