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Alle Fotos: Sebastian Löffler

​RB Leipzig gönnt sich einen Skate Plaza, auf dem Skaten verboten ist

Aiko Kempen

Red Bull gibt sich gerne als Förderer der Skate-Szene und baute vor dem RB-Leipzig-Trainingszentrum eine Skate-Anlage. Das freut Leipzigs Biker, denn mehr als Räderanschließen ist dort nicht erlaubt.

Alle Fotos: Sebastian Löffler

Eigentlich sollte bei Sportanlagen offensichtlich sein, dass diese auch genutzt werden oder zumindest die Möglichkeit dazu besteht. In Leipzig scheint man diesbezüglich nun jedoch neue Wege zu gehen. So verfügt das frischgebaute RB-Trainingszentrum nicht nur über eine 800m² große Turnhalle, zahlreiche Krafträume und eine Küche unter Leitung des ehemaligen Küchenchefs aus dem Steigenberger Hotel, sondern im Eingangsbereich zudem über den ersten Skatepark, in dem Skaten strikt verboten ist.

Die hauseigene Security ging bereits scharf gegen erste Skateversuche vor und mittlerweile hat RB Leipzig weitere Anstrengungen unternommen, um den Spot so unattraktiv wie möglich zu machen. Potentiellen Besuchern präsentiert sich seit Mitte März ein merkwürdiges Bild auf dem Vorplatz: Skateelemente, die kurzerhand mit Bänken verschalt oder anderweitig zu wenig einladenden Sitzmöglichkeiten umfunktioniert wurden, und als besonderes Highlight haben Radfahrer jetzt die Möglichkeit, ihren Untersatz direkt auf einer der Rampen abzustellen.

Screenshot „Betonlandschaften"

„Verkehrte Welt" nennt es Landschaftsarchitekt Ralf Meier, der den „Skate Plaza" geplant und umgesetzt hat. Gegenüber VICE Sports gab er an, dass der österreichische Mutterkonzern Red Bull vor etwa zwei Jahren den Auftrag für die „bespielbare Außenfläche" an Betonlandschaften gab. Bei der Konzeption hielt der Architekt zudem enge Rücksprache mit Fahrern aus dem Red Bull Team, immerhin zählt der Konzern aktuell rund 40 Sportler zu seinen Skate Athletes und tritt seit Jahren als Sponsor für Extremsportarten auf.

Warum Skater am neuen Aushängeschild der Roten Bullen nun unerwünscht sind, lässt sich nur vermuten. Wenngleich nicht zu vergessen ist, dass RB Leipzig und Red Bull zumindest offiziell zwei Paar Schuhe sind und hier lokale Interessen wohl eindeutig im Vordergrund stehen dürften. So gibt Architekt Meier an, dass selbst ihm in Köln schon zu Ohren gekommen sei, dass „Teile der Trainerschaft auf Skateboard fahrende Jugendliche nicht gut zu sprechen" seien. Die jüngsten Umbaumaßnahmen sprechen diesbezüglich für sich und waren nicht mit Meier abgeklärt, der davon erst über Umwege erfuhr.

Der Verein selbst gibt sich in dieser Hinsicht betont zurückhaltend und spricht bezüglich der Platzgestaltung von einem laufenden Prozess, bei dem man sich für „entsprechende Anpassungen" entschieden habe, um grundsätzlich einfach mehr Sitzgelegenheiten zu schaffen. „Die Entscheidung ist gefallen, das wurde umgesetzt und Punkt", fasst RB Leipzig gegenüber VICE Sports die Situation zusammen. Diese Form der Entscheidungsfindung mag etwas komisch anmuten, schließlich liegen die Kosten für eine solche Anlage im sechsstelligen Bereich—Fahrradständer und Sitzauflagen nicht mit eingerechnet.

Wo auch immer der ursprüngliche Beschluss für den Skatepark gefallen sein mag, die Entscheidung gegen einen Raum für Jugendkultur in Leipzig war unter der Oberfläche schon lange bekannt, immerhin ist die Skateszene familiär und gut vernetzt. „Wir haben schon, als das gebaut wurde, von verschiedenen Leuten gehört, dass wir uns gar keine Hoffnung machen sollen, da jemals zu fahren", so Tillmann Richter von Weskatele. Und auch Malte Reinke-Dieker von Urban Souls e.V.—der unter anderem die lokale Skatehalle Heizhaus betreibt und seit vielen Jahren mit Red Bull zusammenarbeitet—berichtet, es sei frühzeitig bekannt gewesen, „dass von RB-Leipzig-Seite Unstimmigkeiten und Skepsis in Bezug auf den potentiellen „Abhäng-Platz bestehen".

Besonders erschreckend empfinden viele Skater die fehlende Kompromissbereitschaft seitens RB, um eine Nutzung der Anlage in einer Form zu ermöglichen, die für alle Seiten befriedigend ist. Der Urban Souls e.V. ist in den vergangenen Monaten immer wieder mit Lösungsvorschlägen wie festen Nutzungszeiten an den Zweitligisten herangetreten. Sämtliche Kontaktversuche an RB Leipzig blieben jedoch „auch nach mehrmaligem Nachfragen unbeantwortet".

Auch im lokalen Skateshop versteht man die Welt nicht mehr. Immer wieder verschwimmt die Grenze zwischen Getränkekonzern Red Bull und Sportverein RB Leipzig und man fragt sich, warum man einerseits mit Jugendkultur kokettiert, im hauseigenen Magazin dazu aufgerufen wird, den Traum vom Skatepark zu realisieren oder gleich das Material für Ramps gesponsert wird, während andererseits etwas gebaut wird, das niemand benutzen darf und nicht einmal miteinander gesprochen werden kann. „Ein Ansprechpartner aus der lokalen Szene, der das Ding steuert, wenn es Probleme gibt, haben die einen Verantwortlichen, das klappt doch auch anderswo", so Marcel Zahn, Betreiber der Skatebox.

Doch an Kommunikation und Kooperation mit der lokalen Szene scheint RB Leipzig ebenso wenig interessiert zu sein wie an einer Nutzung des Skate Plazas. Bei ersten Sessions auf dem Platz wurden die Skater vom Sicherheitsdienst unter Gewaltandrohung des frei zugänglichen Geländes verwiesen. Ihre Beschwerdemail an Red Bull wurde an RB Leipzig weitergeleitet, die sich daraufhin zwar für den Ordnungsdienst entschuldigten, in ihrer Antwort aber gleichzeitig deutlich machten, dass eine Nutzung der Anlage für den eigentlichen Bestimmungszweck keineswegs gesichert ist. Was für die Skateszene unterm Strich als Eindruck hängen bleibt, ist ein „wir können euch etwas bieten, wollen wir aber nicht".

Entsprechend erbost zeigt sich Architekt Ralf Meier, der nun rechtliche Schritte gegen RB Leipzig prüfen will und sich in seinem geistigen Eigentum verletzt sieht. „Das ist einfach peinlich für Red Bull. Gerade RB Leipzig hat doch eh schon ein Imageproblem", kommentiert er die Entwicklung um den umstrittenen Verein, der nun wohl nicht mehr nur für lokale und bundesweite Traditionsvereine als rotes Tuch gilt, sondern sich jetzt auch über sein eigenes Feld hinaus mit dem Vorwurf konfrontiert sehen kann, gegenüber lokalen Strukturen wie der Elefant im Porzellanladen aufzutreten und den Sport kaputt zu machen.

Alle Fotos: Sebastian Löffler