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Chris Benoits Schwägerin erklärt, was seine wirklichen Mordmotive waren

Jahrelang wurde angenommen, dass Chris Benoits tragischer Mord an seiner Familie und sich eine Folge von Stereoid-Missbrauch und Hirnschäden sei. Die Schwester seiner toten Frau erklärte, dass der Mord mit seiner Persönlichkeit zusammenhing.

Benedikt Niessen

Benedikt Niessen

Foto: Imago

Im Jahr 2007 fand die Polizei den Wrestling-Star Chris Benoit, seine Frau Nancy und ihren siebenjährigen Sohn Daniel tot in ihrem Haus auf. Schnell wurde klar, dass Benoit seine Frau und seinen Sohn erdrosselt hatte. Anschließend hatte er sich an einem Krafttrainingsgerät selbst erhängt. Die Obduktion des Gerichtsmediziners Dr. Julian Bailes ergab: Das Gehirn von Benoit ähnelte dem eines 85-jährigen alten Mannes, der an Alzheimer litt. Schnell hieß es in der Öffentlichkeit: Auslöser für das Familiendrama mussten die jahrelange Einnahme von Steroiden und Alkohol sowie Hirnschäden durch die tausenden Schläge auf seinen Kopf während seiner Karriere sein. Nun offenbarte Benoits Schwägerin neue Erkenntnisse über einen der mysteriösesten Fälle der Wrestling-Geschichte.

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Im Podcast Talk Is Jericho sprach Wrestling-Star Chris Jericho mit Sandra Toffoloni, Nancy Benoits Schwester und früherem Kindermädchen der Familie. In einem mutigen und aufschlussreichen Interview sprach die Schwägerin von Chris Benoit offen über die Beziehung von Nancy und Chris sowie über die möglichen Umstände, wie es zu seiner Tat kommen konnte. Wie die Öffentlichkeit zieht auch Toffolini in dem Gespräch mit Jericho eine Verbindung zwischen Benoits Taten und den von ihm eingenommenen Medikamenten. „Ich denke, dass es (Anm. d. Red.: sein Drogenmissbrauch) ein großer Faktor für das war, was passiert ist." Einer möglichen Alzheimer-Erkrankung, die man aus dem Obduktionsbericht ableiten könnte, widerspricht sie. „Niemand hat gesagt, er hätte Alzheimer. Der Kerl konnte innerhalb von acht Minuten aus einem Flughafen finden—aus jedem Flughafen."

Trotz ihres Schmerzes fand sie für ihren Schwager nach wie vor viele nette Worte. „Er war freundlich und rücksichtsvoll, sehr ruhig, sehr konzentriert. Er war ein sehr ehrgeiziger Kerl, aber trotzdem fürsorglich. Er liebte meine Schwester und er wollte für mich und meine Eltern da sein", erzählte Toffoloni, die jedoch auch darüber sprach, dass es unter der Oberfläche mehr und mehr zu brodeln begang.

„Was wirklich spürbar wurde, war sein sich ständig steigerndes Gefühl von Paranoia und Unsicherheit für die Familie", erzählte sie über Benoit, der nachts ständig die Alarmanlage kontrolliert haben soll. „Wenn wir ins Fitnessstudio gegangen sind oder so, wollte er ständig verschiedene Wege dorthin gehen. Der Hinweg am Morgen war immer ein anderer als der abends zurück." Sein Verhalten soll vorher anders gewesen sein. „Es fand eine große Veränderung seiner Persönlichkeit statt. Aber es war keine verrückte Änderung, die alle anderen bemerken würden, sondern eine, die nur Menschen in seinem direkten Umfeld mitbekommen haben." Verstanden habe es Toffolini bis heute nicht und sie wisse auch nicht, ob es ein Vorläufer für seine Taten war.

Benoit und seine Frau Nancy hatten lange Zeit ein perfektes Pärchen abgegeben. Nancy hatte dann im Jahr 2003 offenbar die Scheidung wegen unkontrollierter Wutanfälle von Chris eingereicht und eine einstweilige Verfügung gegen ihren Mann erwirkt. Später zog sie beides zurück. Toffolini ging auch auf diese Brutalität und Wutanfälle ein. Seine „unkontrollierbare Wut" ging im Jahr 2004 mit dem großen Erfolgsdruck vor der Wrestlemania 20 zu aggressivem Verhalten gegenüber Nancy über.

Ich kann das Unglück nicht an einer Sache festmachen. Da kam vieles zusammen. Äußere Faktoren genauso wie sein innerer Kampf, der seit Eddies Tod in ihm tobte. Er hatte es in seinem Blick. Es ging für ihn nicht mehr darum, wer als Nächster dran sein könnte, er war sich irgendwie sicher, dass er es sein würde, das las ich in seinen Augen.

Für seine Schwägerin seien jedoch nicht nur Alkohol und Medikamente für seine Taten verantwortlich. Zahlreiche Tode aus der Wrestlingszene, wie die seiner engen Freunde Eddie Guerrero and Ray „Big Boss Man" Traylor, sollen sowohl ihm als auch Nancy, die als Wrestling-Managerin arbeitete, sehr zugesetzt haben. „Meine Schwester war keine Heilige, aber das Ganze erreichte nach diesen Ereignissen eine neue Dimension—vor allem nach dem Tod Eddies", so Toffolini über die schleichende Wandlung ihres Schwagers. „Es war eine Kombination aus vielen Dingen. Die riesige Last aus Verlust und Trauer, dann die Unmengen von Medikamenten, die seine Körperchemie durcheinander brachten, dann der Alkohol. Und dann natürlich all das, was grad in seinem Leben abging."

Toffolini behauptete auch, dass Chris vor den Morden auf Google nach dem einfachsten Weg gesucht haben soll, wie man jemandem den Hals brechen kann. In dem Gespräch mit Jericho geht sie auch mit sehr mitreißenden Sätzen auf die letzten Stunden der Familie Benoit ein und schildert den brutalen Mord an ihrem Neffen und ihrer Schwester. „Um klar zu sein: Niemand sah das, was ich sah. Er hatte meine Schwester und meinen Neffen auf brutalste Weise ermordet", erzählt sie. „Meine Schwester wurde Freitagabend zwischen elf und eins und Daniel am Samstagmorgen getötet. Chris tötete sich selbst am Sonntagabend. Er verbrachte also zwei volle Tage im Haus mit Nancy und Daniel, als die schon tot waren."